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Was bringt just_in_time?
#1
Die Variable just_in_time verspricht eine Art Kommunikation innerhalb von Lieferketten, durch die die Fabriken nicht einfach vor sich hin produzieren, sondern ihren Ausstoß an den Anforderungen der Abnehmer ausrichten. Just_in_time, hier abgekürzt als JIT, ist standardmäßig in der simuconfig eingestellt durch die Ziffer 1 und vermutlich in allen Paksets aktiv. Mit der Ziffer 2 kann eine Variante gewählt werden, die eine bessere Abstimmung zwischen Produzenten und Abnehmern einer Lieferkette verspricht.

Durch eine neuerliche Diskussion auf das Thema aufmerksam geworden (https://forum.simutrans.com/index.php/to...#msg165636 und https://forum.simutrans.com/index.php/to...14.25.html), habe ich einen Blick auf JIT geworfen, hatte ich doch bisher nur die Standardeinstellung genutzt.

Zur Unterscheidung benutze ich fortan die Kürzel JIT 1 für die aktuelle Standardversion, JIT 2 für die alternative Version und JIT 2N für die im Januar gepatchte Variante, die einigen Kritiken Rechnung tragen soll.

Um qualifizierte Aussagen treffen zu können, habe ich eine Reihe von Tests mit einer mir gut bekannten Karte absolviert. Obwohl ich nur einen sehr kleinen Teil von Transporten und Produktionen untersucht habe, hat sich eine erhebliche Datenfülle angesammelt, die hier nur in Ausschnitten präsentiert werden kann, was in mehreren Teilen erfolgen soll.

Wer sich die ausführliche Ergebnisdarstellung ersparen möchte oder schon mal vorausschauen möchte, für den seien hier die wichtigsten Ergebnisse vorab zusammengefasst.

- Einen „Sieger in allen Disziplinen“ gibt es nicht. Beide Versionen, JIT 1 ebenso wie JIT 2 einschließlich der neuen Variante haben Stärken und Schwächen. Für mich überwiegen die Vorteile von JIT 2 bzw. der aktuellen Variante JIT 2N deutlich, so dass ich wechseln werde.

- Tatsächlich reagieren JIT 2 und JIT 2N deutlich stärker auf die Anforderungen der beteiligten Firmen innerhalb der Lieferketten. Mit JIT 1 sind die Eingangslager teilweise um ein Vielfaches überfüllt und die Produktionsbegrenzung der Zulieferer ist schwach ausgeprägt. Übervolle Lager können andererseits aber auch vor Leerläufen schützen.

-  JIT 2 und JIT 2N gehen pfleglicher mit den Ressourcen um. Überfüllungen erlebt man seltener.
Das vermutete bessere Ressourcenmanagement hat aber seinen Preis. Denn von mir beobachtete Eingangslager liefen gelegentlich, eines häufig leer – und das nicht, weil die Lieferanten nicht produzierten. Insbesondere weite Entfernungen könnten dabei eine Rolle spielen.

-  JIT 2 reduziert die Produktion, wenn ein Industriegebäude mehr als ein Produkt erzeugt. Dann verteilt es die Ressourcen auf die beiden Produkte, wodurch die Produktionskennzahl gegenüber JIT 1 abnimmt. Dieses gelegentlich kritisierte Verhalten (s. dazu die obigen Verlinkungen) besteht unter JIT 2N fort und hat Folgen für „unser“ Transportunternehmen. Denn wenn unsere Fahrzeuge weniger transportieren, erlösen sie auch weniger. Auch Paksetentwickler sind damit nicht glücklich, weil die gesetzten Daten dadurch unterlaufen werden.

-  Andererseits: Global betrachtet sind die Beförderungszahlen mit 57,4 für JIT 1 und 57,5 Mio. für beide JIT 2-Varianten unter den drei Kandidaten fast identisch. Daher vermute ich, dass die Verringerung der Produktionskennzahlen global keine durchschlagenden Folgen hat.
In Bezug auf die zugrunde liegende Karte spielt ein starker Passagierverkehr eine wichtige Rolle, durch die das Ergebnis beeinflusst sein könnte. Leider zeigt ST keine getrennten Globalergebnisse für Personentransporte auf der einen und Warentransporte auf der anderen Seite, so dass man sie, wenn man wollte, selbst aus den Linien extrahieren müsste. Bei gut einhundert Linien auf der untersuchten Karte keine Kleinigkeit ...

-  Alles in allem konnte der Bruttogewinn für den untersuchten Zeitraum unter JIT 2 und JIT 2N mit rund 775 Mio. Simutalern (?) etwas stärker wachsen als unter JIT 1, das auf 762 Mio. kam. Keine nennenswerte Größe, aber ein Hinweis auf das gute Funktionieren der 2er-Versionen. Deren Werte weichen in der Regel nur geringfügig voneinander ab.

- Alles in allem zeigt sich, dass sich JIT 2 und JIT 2N sehr ähnlich sind, während die Daten für JIT 1 teilweise deutlich davon abweichen. Die in den oben verlinkten Diskussionen aufgetauchten gravierenden Probleme, die bis zu Produktions- oder Verkaufsabbrüchen reichten, sind mir bisher nicht begegnet.

Allerdings sollte man immer im Bewusstsein behalten, dass jeder seiner Spielweise frönt, was womöglich zu ganz anderen Ergebnissen führt als die hier vorgestellten. Außerdem habe ich nur einen kleinen Teil der Fabriken und Transportlinien in den Blick genommen. Nicht auszuschließen, dass mir echte „Problemkinder“ noch gar nicht aufgefallen sind.

Schluss der Lyrik an dieser Stelle. Einen Versuch ist JIT 2 in jedem Fall wert, wobei sich die Ergebnisse je nach Karte und Spielweise mehr oder weniger stark unterscheiden können. Mehr Details zu meiner Karte gibt es in einer folgenden Artikelserie.

Ach ja, zum Abschluss noch der Hinweis, dass Fragen willkommen sind. Alle mir relevant erscheinenden Spielstände sind gespeichert, so dass ich wahrscheinlich auch Daten heraussuchen kann, über die ich mir noch keine Gedanken gemacht habe.
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#2
(14-02-2021, Sunday-14:34:15 )michelstadt schrieb: Die Variable just_in_time verspricht eine Art Kommunikation innerhalb von Lieferketten, durch die die Fabriken nicht einfach vor sich hin produzieren, sondern ihren Ausstoß an den Anforderungen der Abnehmer ausrichten. Just_in_time, hier abgekürzt als JIT, ist standardmäßig in der simuconfig eingestellt durch die Ziffer 1 und vermutlich in allen Paksets aktiv. Mit der Ziffer 2 kann eine Variante gewählt werden, die eine bessere Abstimmung zwischen Produzenten und Abnehmern einer Lieferkette verspricht.

...

pak64.german verwendet seit Version 0.120.4.1.2 vom 13.10.2019 die Einstellung 2 als Voreinstellung.

(14-02-2021, Sunday-14:34:15 )michelstadt schrieb: ...
-  Andererseits: Global betrachtet sind die Beförderungszahlen mit 57,4 für JIT 1 und 57,5 Mio. für beide JIT 2-Varianten unter den drei Kandidaten fast identisch. Daher vermute ich, dass die Verringerung der Produktionskennzahlen global keine durchschlagenden Folgen hat.
In Bezug auf die zugrunde liegende Karte spielt ein starker Passagierverkehr eine wichtige Rolle, durch die das Ergebnis beeinflusst sein könnte. Leider zeigt ST keine getrennten Globalergebnisse für Personentransporte auf der einen und Warentransporte auf der anderen Seite, so dass man sie, wenn man wollte, selbst aus den Linien extrahieren müsste. Bei gut einhundert Linien auf der untersuchten Karte keine Kleinigkeit ...
...

Liese sich ein Script-Tool für schreiben. Wenn die Ausgabe 10 Zeilen nicht überschreitet kann die Meldungsausgabe auch in die Zwischenablage kopiert werden.
Script-KI für Simutrans r9641+ / Simutrans Nightly Builds
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#3
Jetzt aber Butter bei die Fische!

Aufbau des Test-Szenarios

Die Basis bildet eine mir vertraute Karte mit PAK128.german, deren Ecken und Kanten ich kenne. Für JIT 1 und JIT 2 habe ich die Nightly 9692 9592 benutzt, für die aktualisierte bzw. gepatchte JIT 2-Version die 9694 9594 [korrigierte nach Hinweis von prissi, siehe unten]. Das Pakset lag in der Version 2.1 r393 vor.

Die Karte weicht in sofern vom Standard ab, als die Industrieketten mit der Option crossconnect_factory (ccf) von mir selbst zusammengestellt wurden. Mit ccf stellt man sich die Ketten aus der Fülle aller möglichen Verbindungen selbst zusammen. Wenn man, so wie ich, dann nicht auf Input- und Output-Werte achtet, können dabei sehr unausgewogene Ketten entstehen.

Ausgehend von identischen Speicherständen habe ich die Karte für JIT 1, JIT 2 und JIT 2N zunächst jeweils drei, insgesamt also neun Schnelldurchläufe absolvieren lassen. Beginn war der 31. Januar 1946, Ende zunächst der 1. September 1946. Dann schlossen sich jeweils zwei Durchläufe bis zum 1. Dezember 1946 an.

ACHTUNG, wichtiger Hinweis zu den Zeitangaben. Die Karte läuft im 24-bit Modus, daher spielt sich hier alles in zehn Monaten ab. Im 20-bit-Modus müssen die Zeitangaben mit dem Faktor 16 multipliziert werden. Aus zehn Monaten werden dann 160, was 13 Jahren und vier Monaten entspricht.

Für drei Durchläufe bis zum 1. September habe ich mich entschieden, weil in keinem Modus bei einem zweiten Durchlauf die selben Ergebnisse herauskamen. Nach dem dritten Durchlauf konnte ich jedoch feststellen, dass die Unterschiede nicht gravierend waren, der dritte also eher als Bestätigung denn als Korrektiv fungierte. Daher folgten nach den neun Läufen bis zum 1. September nur noch sechs bis zum 1. Dezember, während derer ich beobachtete, ob und wie lange einige Eingangslager von Fabriken leerliefen.


Globales

Der Bruttogewinn für den untersuchten Zeitraum konnte unter JIT 2 und JIT 2N mit jeweils rund 775 Mio. Simutalern (?) etwas stärker wachsen als unter JIT 1, das auf 762 Mio. kam.

Die Beförderungen legten unter JIT 1 um 57,4 Mio. Fälle, unter den beiden JIT 2-Varianten um 57,5 Mio. zu. Die Unterschiede sind unter einem globalen Aspekt also unbedeutend und weder ein Grund zum Umstieg, noch zum Beharren auf der aktuell genutzten JIT-Version.


Detailbeobachtungen

Eher zum Nachdenken regen etliche Einzelheiten an. Genauer angesehen habe ich mir einen Rohstofflieferanten (Erzgrube), zwei Produzenten (Stahlwerk und Chemiewerk) sowie einen Endverbraucher (Baustoffhof), bei denen ich Produktions- und Transportdaten untersucht und die Kontinuität von Lieferung und Produktion unter die Lupe genommen habe.


Wie viel Erz kommt wie schnell zur Stahlschmiede?

Eine Erz- und eine Kohlengrube liegen auf der Karte nahe beieinander, so dass sie sich einen Güterbahnhof teilen können, um ihr Schüttgut per Zug zum nahe gelegenen einzigen Stahlwerk der Karte (97 Kacheln entfernt) zu bringen. Das Stahlwerk musste in der Vergangenheit aufgrund von Erzmangels von Zeit zu Zeit seine Produktion ruhen lassen. Kurz nach Beginn des Untersuchungsstarts war wieder einmal Zwangspause in Sachen Stahlproduktion angesagt.

Der Grund dafür lag in der unausgewogenen Belieferung mit am Güterbahnhof ausreichend vorhandenem Erz. Wie gehen die Just-in-time-Techniken mit diesem Missstand um? Wann und wie wird der Erzmangel behoben?

Unter JIT 1 dauert es bis zum 5. Februar, bevor eine fast unterbrechungsfreie Stahlproduktion möglich ist, kommt aber vollends erst am 9. Februar in ruhige Bahnen. Unter JIT 2/JIT 2N ist dieser Zustand schon am 3. Februar erreicht. Offenbar berücksichtigen die 2er-Versionen stärker als JIT 1 die akute Nachfragesituation.

Zwei Schüttgutzüge mit unterschiedlicher Ladekapazität führen die Transporte durch. Hier die Daten zweier typischer Transporte bis zum 3. Februar, eine unter JIT1 und gemittelt für JIT2 und JIT 2N. Hierfür wurden alle Fahrten und ihre Tonnagen aufgezeichnet.

   

[Text zu lang, sagt die Forums-Software, daher hier ein Schnitt.]

Wer kocht mehr Stahl?

Schaut man sich die Monatsdaten der Stahlproduktion an, so zeigen die JIT 2-Varianten auch hier, dass sie auf dieser kurzen Distanz vermutlich besser als JIT 1 Leerläufen vermeiden. Die Produktionskennzahlen im Fabrikfenster besitzen dabei möglicherweise weniger Gewicht als vermutet und sind daher nur in Maxima und Minima aufgeführt.

   

Von der Summe der Stahlproduktion abgesehen fällt hier erneut die Variabilität des Stahlausstoßes unter JIT 1 auf.  JIT 2 bietet deutlich weniger Schwankungen. Die Produktionskennzahlen liegen bei JIT 1höher, die Warenproduktion liegt dennoch deutlich hinter derjenigen der JIT 2-Fraktion zurück.

Genug für heute, Fortsetzung folgt. Als Nächstes werde ich ein Chemiewerk untersuchen, das Farben und Medikamente herstellt. Wie steht es um die Produktionskennzahlen und Warenproduktion, wenn zwei Produkte erzeugt werden?
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#4
Wir sind aktuell bei r9635. r9692 wird ca. in Mai oder so erscheinen ...

Bei den JIT spielt die Entfernung die entscheidende Rolle. JIT sollte mit etwas weiteren Entfernungen deutlicher zeigen.
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#5
Ich denke das Schnellvorlauf weniger geeignet ist für solche Tests.

Ich weis jetzt nicht die genaue Vorgehensweise. Aber wenn bestehende Karten umgeschalten werden ist das auch nicht sehr aussagekräftig finde ich.
Script-KI für Simutrans r9641+ / Simutrans Nightly Builds
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#6
Schnellvorlauf sollte keinen Unterschied machen, sind schliesslich normale Steps waehrend der Produktion und dem Umladen, keine Sync_steps.
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#7
(14-02-2021, Sunday-16:17:09 )Andarix schrieb: Ich weis jetzt nicht die genaue Vorgehensweise. Aber wenn bestehende Karten umgeschalten werden ist das auch nicht sehr aussagekräftig finde ich.

Bei völlig abgedrehten Werten würde ich dir Recht geben, die habe ich aber nicht gefunden. Außerdem würde man erwarten, dass die ursprüngliche Einstellung (JIT 1), mit der die Karte über etliche Spieljahre entwickelt worden ist, hier einen Vorteil gegenüber dem "Fremdling" hat. Aber gerade der hat in sehr vielen Punkten die Nase vorn.
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